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QFC - Netzwerkkonferenz in Bitterfeld-Wolfen am 17.06.2010

Großes Interesse fand die QFC Netzwerkkonferenz „Attraktive Arbeitgeber in attraktiven Regionen“ im Kulturhaus Wolfen. 100 Gäste – darunter zahlreiche aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft- suchten gemeinsam nach Lösungen für die Hauptfrage: Wie gewinne und halte ich Fachkräfte und wie kann ich sie an das Unternehmen und die Region binden?

Der zentrale Wunsch aller nach dauerhaften Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen erfordert weitreichendes Umdenken auf allen Seiten. Gefragt sind neue Strategien bei den Unternehmen, aber auch in den Kommunalverwaltungen und der Politik. Auch der Einzelne muss sich den Veränderungen stellen.

Wie schwer es ist, Menschen aus den alten Bundesländern zurück zu holen, zeigt der Versuch von „PFIFF“. Das „Portal für interessierte flexible Fachkräfte in Sachsen-Anhalt“ (gefördert durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und das Land Sachsen-Anhalt) schrieb 20.000 „Pendler“ an, um sie zu einer Rückkehr zu bewegen. 3.000 meldeten sich zurück. Im Ergebnis kam heraus, dass viele Fachkräfte kein Interesse haben, zurück zu kehren. „Die Gründe“, sagte Dr. Ulrich Cramer, vom Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt, „sind sehr unterschiedlich“. Neben der Frage der wirtschaftlichen Sicherheit in unbefristeten Arbeitsverhältnissen ging es auch um mitarbeiterfreundliche Orientierung der Unternehmen, gute Gestaltung von Arbeit und attraktive Bedingungen am Arbeitsplatz.

Landrat Uwe Schulze verwies auf die Bedeutung der regional tätigen Unternehmen für ein stabiles, langfristig orientiertes Gemeinwesen. Das geht nicht ohne eine vertrauensvolle sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit betonte Egbert Biermann, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE. Für Dr. Claudio Zettel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. stellte die Veranstaltung einen wertvollen Beitrag dar, Lösungen im Spannungsfeld Demographie – Unternehmen – Region zu finden.

Wie mitarbeiter- und familienorientierte Personalpolitik Wettbewerbsvorteile schaffen kann, zeigt z. B. das Servicebüro Familie und Beruf am Chemiestandort Leuna. Es hat den Standort insgesamt attraktiver gemacht und so auch den beteiligten Unternehmen wirtschaftlichen Nutzen verschafft. Das vom BMBF und ESF geförderte Projekt SCHICHT (Verbund zsh, QFC, Stadt Bitterfeld-Wolfen) arbeitet an ähnlichen Lösungen in der Kommune Bitterfeld-Wolfen. Ziel ist die „Aufwertung der Lebensqualität am Chemiestandort im Interesse einer langfristigen Fachkräftesicherung“. Hier sind Unternehmen und Politik gleichermaßen gefordert, denn die so genannten „weichen“ Standortfaktoren werden im Zuge der Entwicklung immer wichtiger. Deshalb unterstützt die Stadt Bitterfeld-Wolfen das Projekt und seine Ziele nach Kräften, wie die Oberbürgermeisterin Frau Wust schon in ihrem Grußwort betonte. Und gerade im Schnittbereich zwischen den unterschiedlichen Akteuren des regionalen Wirtschaftslebens liegen die Stärken der Projekte SCHICHT und Fachkräfteinitiative Chemie Sachsen-Anhalt (gefördert durch ESF, BMBF und das Land Sachsen-Anhalt).

Im Impulsreferat aus dem Projekt SCHICHT spiegelte Bettina Wiener (zsh) die Herausforderungen, die sich aus den Unternehmensanalysen ergeben. Sie gilt es ganzheitlich zu bearbeiten. Ein Lösungsansatz ist das neu eröffnete Servicebüro in Bitterfeld-Wolfen, das die Beschäftigten, Betriebsräte und Personaler am Standort im Umgang mit Behörden und Dienstleitern unterstützt. In einer Diskussionsrunde zu diesem Thema wurden Leistungen, Erwartungen und Wege, wie das Angebot an die Beschäftigten getragen werden kann, erörtert. Hier waren die Praktiker gefragt. Gemeinsam diskutierten Personalverantwortliche, Betriebsräte, Dienstleister vor Ort und Wissenschaftler, was die Praxis in einer immer älter werdenden Gesellschaft verlangt, und damit auch Belegschaft, und wie diese Dienstleistungen gebündelt werden können.

Zunehmend wichtig wird auch die Frage nach der psychischen Belastung und Beanspruchung der Beschäftigten. „Sie muss endlich ‚aus der Schmuddelecke‘ ans Licht gerückt und offen diskutiert werden – auch in den Betrieben“, so Dr. Latniak vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ). Er sprach in seinem Impulsreferat über die Gründe, weswegen psychische Belastung und Beanspruchung zum Thema in Betrieben wird und gab Hinweise zur dessen Bearbeitung. Die Gesundheitsberichte der Krankenkassen sind alarmierend. Die volkswirtschaftlichen Kosten infolge des steigenden Anteils der psychischen und Verhaltensstörungen an den Arbeitsunfähigkeits-Tagen dürfen nicht unterschätzt werden. Die Ergebnisse einer Studie des IAQ an der Universität Duisburg Essen zeigen, wie das Thema „angegangen“ werden muss. Notwendig sind einerseits der Informationsaustausch und andererseits, die Führungsebene einzubinden.

Interessiert waren die Vertreter/innen der Wirtschaft und die Betriebsräte auch am Thema des betrieblichen Eingliederungsmanagements. Andrea Lange stellte Ergebnisse des Berufsforschungs- und Beratungsinstitut für interdisziplinäre Technikgestaltung (BIT e.V.) vor. Hier standen Instrumente des Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) für die Praxis im Fokus.

Alle Ergebnisse der QFC Netzwerkkonferenz zeigten deutlich, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen muss: seine Fähigkeiten, sein Wissen und sein Wohlbefinden. Wesentlich ist hier, sich gezielt auszutauschen. Gebraucht werden deshalb breite Netzwerke zur Kommunikation aller regionalen Akteure. Aber auch überregionale Expertinnen und Experten sind von großer Bedeutung.

Ein Markt der Möglichkeiten präsentierte regionale Dienstleister, die Unternehmen unterstützen, Fachkräfte zu sichern, in dem sie das „Rundherum“ des Alltags gestalten helfen. Vertreten waren das Gesundheitszentrum Bitterfeld-Wolfen GmbH, das Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e.V., die AOK Sachsen-Anhalt Niederlassung Ost, Region Bitterfeld-Wolfen, die Deutsche Rentenversicherungsanstalt Mitteldeutschland - Projekt GeniAL, die Initiative Neue Qualität der Arbeit, die IG BCE, die Stadt Bitterfeld-Wolfen, die IKK gesund plus-IKKimpuls Sachsen-Anhalt Ost sowie das Fitnessstudio LadysClub Bitterfeld.

Wichtig ist Austausch – kritisch, kreativ und offen, in entsprechenden Gesprächskreisen standen die folgenden Themen zur Diskussion:

·          Netzwerke - Erwartungen und Lösungen?

·          Servicebüro - Innovation für eine Stadt

·          Fachkräfteinitiative Chemie Sachsen-Anhalt - Ergebnisse und Aufgaben u.

·          Psychische Belastungen steigen - ein Mythos?

Das Feedback zur Netzwerkkonferenz war gut. Es eröffnete einen intensiven Dialog und lässt neugierig werden auf eine Fortsetzung. Wir freuen uns auf weitere Anregungen und Gesprächspartner.