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Teilprojekt am Zentrum für Sozialforschung Halle e. V. (zsh)

Konzeptionelle Grundlagen und Begleitung der praktischen Erprobung von Lösungen"

Zielsetzung

Das generelle Ziel des gemeinsamen Verbundvorhabens besteht darin, an zwei Chemiestandorten in Sachsen-Anhalt dringliche Problemlagen industrieller Personalwirtschaft zum Thema „Schichtarbeit zwischen Anforderungen von Arbeitswelt und Lebenswelt“ zu erarbeiten, zukunftsstabile Lösungen zu erschließen und - soweit möglich - bereits pilothaft zu erproben.

Hierbei werden Erfahrungen und Entwicklungsressourcen des Chemiestandortes Leuna genutzt, um Lösungswege zu explorieren und Instrumente zu entwickeln, die dann auch im Rahmen des Projektes am Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen übernommen werden können. In das Verbundvorhaben werden besonders kleine und mittelständische Unternehmen einbezogen, die bisher aus eigener Kraft kaum maßgeblich zu diesem Thema arbeiten konnten.

Dringliche Problemlagen

An den beiden Chemiestandorten, auf die sich das Verbundvorhaben konzentriert, sind gegenwärtig vor allem zwei Problemlagen zu beobachten, in denen sich das generelle Spannungsverhältnis von Anforderungen an Flexibilität und Stabilität konkretisiert:

Spannungen und Konflikte zwischen der betriebsnotwendigen Flexibilität der Einsatzzeiten und dem Stabilitätsbedarf der Beschäftigten

Die vorherrschende Produktionsweise in der Chemie ist Schichtarbeit, nicht zuletzt in der besonders belastenden Form der vollkontinuierlichen Wechselschicht.

Ausgleichsmöglichkeiten zur Reduzierung der Belastungen für die in Wechselschicht Beschäftigten sind von vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) erheblich schwerer anzubieten als von großen Unternehmen.

Spannungen und Konflikte zwischen betrieblichen Anforderungen an Leistungs- und Arbeitszeitstabilität und lebensweltlichen Flexibilitätsanforderungen

Komplementär zur Problematik der Schichtarbeit führen altersstrukturelle, biografische und milieubedingte Faktoren zu tendenziell wachsenden Spannungen zwischen dem betrieblichen Interesse an Leistungs- und Zeitstabilität der Beschäftigten einerseits und dem Bedürfnis ausreichender Zeitflexibilität zur Übernahme von lebensweltlichen Verpflichtungen (insbesondere Betreuung von Kleinkindern und Pflegeverantwortung) andererseits.

Der Verbund geht davon aus, dass unter den gegebenen Umständen ein ausgewogeneres Verhältnis von Leben und Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung dieser Problemlagen – im Interesse der betroffenen Arbeitnehmer/-innen, im Interesse der Betriebe an den beiden Standorten und im Interesse einer nachhaltigen Sicherung und Verbesserung der Standortqualität – leisten kann.

Ausgangslage

Die Chemiestandorte und ihre Betriebe weisen sehr charakteristische Merkmale auf:

  • eine starke Konzentration vieler (vor allem auch kleinerer) Unternehmen;
  • ein erhebliches Qualifikationsniveau;
  • ein hoher, deutlich über dem gesamtdeutschen Durchschnitt liegender Frauenanteil unter den Beschäftigten;
  • weit verbreitete Schichtarbeit (auch bei Frauen) mit hoher Bedeutung vollkontinuierlicher Schichtsysteme;
  • bereits eine hohe Sensibilität für das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Aus diesen Merkmalen ergeben sich sowohl eine hohe Relevanz für das Thema im Spannungsfeld zwischen Flexibilität und Stabilität, als auch eher günstige Bedingungen für innovative Lösungen, mit deren Hilfe ein nennenswerter Ausgleich der Spannungen erreicht werden könnte.

Bezug des Verbundvorhabens zu den Zielen des Förderschwerpunktes

Unter dem steigenden Veränderungsdruck der Unternehmen in einer Welt globalisierter Märkte und der Diffusion neuer Technologien sowie sozialer und demografischer Veränderungen kommt es zu immer größeren Anforderungen im Spannungsverhältnis zwischen Flexibilität und Stabilität, und zwar auf beiden Seiten, auf der Arbeitnehmerseite ebenso wie auf der Seite der Beschäftiger.

In dem Spannungsfeld von erforderlicher Flexibilität und dem notwendigen Maß an Stabilität bewegt sich das hier dargestellte Verbundvorhaben und schließt sich damit durch die Entwicklung und Verbesserung familienfreundlicher Personalpolitik zur Förderung der Innovationsfähigkeit in den Unternehmen an die Zielsetzung des Förderschwerpunktes an, eine Balance zwischen beiden scheinbar divergierenden Ansprüchen herzustellen.

Das Verbundvorhaben ist der Überzeugung, das die Vereinbarkeit von Familie und Beschäftigung in Zukunft zu einem zunehmend entscheidenden Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen wird und will mit seinen Ideen und Aktivitäten einen Beitrag zur Verbesserung dieser Leistungen an den Chemiestandorten leisten.

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